Antrag 17 / Nein zum Ilisu-Staudamm!

Antrag 17 der AUGE/UG  Alternative und Grüne GewerkschafterInnen/Unabhängige GewerkschafterInnen zur 146. Vollversammlung der AK-Wien am 30. Mai 2007

Antrag zugewiesen (Ausschuss EU und Internationales)

GA: Ja

ÖAAB, BM: Nein

FSG: für Zuweisung

Antragsbearbeitung

 

Angesichts der schwerwiegenden sozialen, ökologischen, menschen­rechtlichen und politischen Folgen, die der Bau des Ilisu-Staudamms in einer weltpolitisch hochsensiblen Region mit sich bringen würde, und der nicht länger haltbaren Behauptungen, wonach der Bau unter Einhaltung des Völkerrechts und der Weltbankauflagen erfolgen würde, möge die Vollversammlung der Arbeiterkammer Wien beschließen:

Die Arbeiterkammer Wien fordert den Beirat der österreichischen Kontrollbank sowie den Bundesminister für Finanzen auf, ihre Zustimmung zur Exportkredithaftung zur Durchführung des Staudammprojekt Ilisu im Südosten der Türkei zurückzunehmen  und damit einen österreichischen Beitrag zur Verhinderung des Baus des international höchst umstrittenen Ilisu-Staudamms zu leisten.

Die Arbeiterkammer Wien wird in diesem Sinne tätig werden und ihren Einfluss auf die politischen EntscheidungsträgerInnen geltend machen.

Im Rahmen des letzten Beirats der Kontrollbank am (8. März 2007) wurde eine Exportgarantie im Ausmaß von € 230 Millionen für den Bau des Ilisu Staudamms im Südosten der Türkei beschlossen (Exportgarantie für die Fa. VA-Tech Hydro/Andritz). Aus österreichischen Steuermitteln wird damit ein höchst umstrittenes Staudammprojekt ermöglicht, dass fatale soziale, politische, kulturelle und ökologische Folgen mit sich bringt. Aus diesen Gründen verabschiedete sich daher die Weltbank aus der Finanzierung des Ilisu-Studamms, weil das Projekt hinsichtlich der Sozial- und Umweltauflagen nicht den Weltbankstandards entspricht. Für die österreichische Kontrollbank scheinen folgende schwerwiegende Kritikpunkte am Projekt Ilisu-Staudamm dagegen kein Problem zu sein:

Hunderte NGO (in Österreich etwa  Amnesty International, Global 2000, ATTAC, WWF, die Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz, die Gesellschaft für bedrohte Völker, FEYKOM u.a.)  Gewerkschaften und Betroffeneninitiativen in der Türkei und weltweit leisten daher gemeinsam mit den Bürgermeistern der betroffenen Ortschaften der Region (darunter auch der Bürgermeister von Diyarbakir) seit Jahren Widerstand gegen dieses Projekt.

Dennoch hat der – auch sozialpartnerschaftlich – zusammengesetzte Kontrollbankbeirat seine Zustimmung zur Exportkredithaftung gegeben. Während die Arbeiterkammer in einer Stellungnahmen Kritik am Staudammprojekt geäußert hat und der AK-Vertreter sich zumindest der Stimme enthalten hat, hat der ÖGB von Beginn an das Ilisu Projekt unterstützt. Auch wenn der ÖGB-Vertreter bei der entscheidenden Sitzung nicht anwesend war, hat der ÖGB-Präsident in der ÖGB-Bundesvorstandssitzung die ebenfalls am 8. März stattfand, noch einmal die Unterstützung des ÖGB für den Bau des Ilisu-Staudamms bekräftigt. Diese Haltung ist angesichts der vorliegenden Fakten unverständlich und scharf zu kritisieren.

Die Zustimmung am 8. März fand dabei unter Vorraussetzungen statt, die bei näherer Betrachtungsweise niemals die Grundlage für die Genehmigung des Exportkredites hätten bilden dürfen: